Was ist der Recyclingcode?

Veröffentlicht von Carola Areschin am

 

Habt ihr euch die Rückseite eurer Verpackungen schon mal genauer angesehen und festgestellt, dass da ganz schön viele Zahlen, Siegel etc. stehen? Die stehen dort immer, deshalb wird dem ganzen vermutlich weniger Beachtung geschenkt. Eines dieses kryptischen Zeichen nennt sich "Recyclingcode". Was es damit auf sich hat und warum dieses Symbol gar nicht so uninteressant ist, zeigen wir euch jetzt.

 

Zahlen und Fakten

In den 1950er Jahren wurden weltweit etwa 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff im Jahr produziert. Im Jahr 2019 ist der Verbrauch inzwischen auf 370 Millionen Tonnen gestiegen.

Umso wichtiger ist die korrekte Entsorgung. Beispielsweise landen über 67% des Mülls in der Restmülltonne, obwohl dieser dort nicht hingehört. 

Um den Verbraucher:Innen die richtige Entsorgung zu erleichtern, gibt es den Recyclingcode, bestehend aus drei (grünen) Pfeilen, die in einem Dreieck angeordnet sind. Die Pfeile stellen den Verwertungskreislauf dar. Unter dem Dreieck ist die Werkstoffgruppe angegeben:

  • Kunststoffe
  • Papier und Pappe
  • Metalle
  • Holzmaterialien
  • Textilien
  • Glas
  • Verbundstoffe

 

Im Dreieck stehen dann die Recycling-Nummern, die angeben, um welches Material es sich handelt.

 

Recyclingcodes von Kunststoffen

 

PET 01 - Polyethylene Terephthalate - Leicht zu recyceln

Getränkeflaschen (Ein- und Mehrweg), Polyesterfasern (z.B. bei Sport- und Funktionskleidung), Zeltplane, Schreib-, Klebe- und Abdeckfolie

HDPE 02 - Hart-Polyethylen - Leicht zu recyceln

Müllbeutel, Plastiktüten, Shampooflaschen, Lebensmittelverpackungen z.B. Joghurtbecher, Flüssigwaschmittel-Flaschen

PVC 03 – Polyvinylchlorid – schwierig zu recyceln

Fensterfolie, Fußbodenbeläge, Rohrleitungen, Schallplatten, Gartenmöbel, Spielzeug

LDPE 04 – Weich-Polyethylen – schwierig zu recyceln

Kanister, Flaschenkästen, Tragetaschen, Möbelteile, sehr dünne Folien, Haushaltsgeräte, Eimer

PP 05Polypropylen – relativ einfach zu recyceln

Flaschenverhältnisse, Strohhalme, Kochbeutel, wiederverwendbare Behälter wie Thermoboxen, Kabelummantelungen, Kindersitze

PS 06 – Polystyrol - schwierig zu recyceln

Einwegbecher, Kugelschreiber, Styropor


 O 07 – Other

Alle anderen Formen von Plastik: Mikrowellengeschirr, Kassenzettel, Beschichtungen
Auch Biologisch abbaubare Stoffe werden mit 07 gekennzeichnet. 

 

 

 

 

Papier und Pappe

Papier und Pappe lassen sich zwar gut recyceln aber nachhaltig sind die Materialien meist nicht. Die Produktion des Zellstoff und dessen Recycling sind sehr energieaufwändig.

  • 20 – PAP: Wellpappe
  • 21 – PAP: Sonstige Pappe
  • 22 – PAP: Papier


Metalle

Die Metallgewinnung ist häufig nicht nachhaltig. Die Arbeiter:Innen arbeiten meist unter schlechten Arbeitsbedingungen. Die Metallgewinnung benötigt außerdem eine große Menge Wasser und auf die Umwelt wird beim Abbau nur selten Rücksicht genommen.
Die Metalle werden vor allem im globalen Süden abgebaut aber vorwiegend in der Nordhälfte genutzt. Dies trägt zur sozialen Ungleichheit bei.

  • 40 – FE: Stahl
  • 41 – ALU: Recycling Zeichen Aluminium


Holzmaterialien

Der nachhaltige Rohstoff Holz kann gut recycelt werden. Allerdings machen hier die Herkunft und Abbaubedingungen den großen Unterschied. Beispielsweise sollte man Tropenholz vermeiden, da hierfür wichtige Teile des Regenwaldes gerodet werden.

Achte daher doch lieber auf Produkte, die aus heimischen Hölzern gefertigt werden und ein FSC-Siegel oder den Blauen Engel tragen.

  • 50 – FOR: Holz
  • 51 – FOR: Kork

 

Textilien

Richtig entsorgt, lassen sich Naturfasertextilien gut recyceln. Eine nachhaltige Lösung sind Textilien aus Bio-Anbau.

  • 60 – TEX: Baumwolle
  • 61 – TEX: Jute

 

Recycling Zeichen Glas

Sicher sind dir bereits die verschieden farbigen Container für Altglas aufgefallen. Altglas sollte nämlich nach Glasfarbe getrennt werden damit es sortenrein ist und erfolgreich recycelt werden kann.

  • 70 – GL: Farbloses Glas
  • 71 – GL: Grünes Glas
  • 72 – GL: Braunes Glas

 

Trinkgläser und Glühbirnen gehören allerdings nicht in die Altglastonne, sondern in den Restmüll.

 

Verbundstoffe

Verbundstoffe bestehen aus mindestens zwei unterschiedlichen Materialien, die sich nicht oder nur schwer trennen lassen.Bei Recyclingcodes für Verbundstoffe wird der Buchstabe „C“ zusammen mit der Abkürzung für das Hauptmaterial der Verpackung angegeben: „C/(Abkürzung des Hauptbestandteils)“.

  • 80 – C/_: Papier und Pappe/verschiedene Metalle
  • 81 – C/_: Papier und Pappe/Kunststoff
  • 82 – C/_: Papier und Pappe/Aluminium
  • 83 – C/_: Papier und Pappe/Weißblech
  • 84 – C/_: Papier und Pappe/Kunststoff/Aluminium
  • 85 – C/_: Papier und Pappe/Kunststoff/Aluminium/Weißblech
  • 90 – C/_: Kunststoff/Aluminium
  • 91 – C/_: Kunststoff/Weißblech
  • 92 – C/_: Kunststoff/verschiedene Metalle
  • 95 – C/_: Glas/Kunststoff
  • 96 – C/_: Glas/Aluminium
  • 97 – C/_: Glas/Weißblech
  • 98 – C/_: Glas/verschiedene Metalle

 

Besonders gesundheitsgefährdendes Plastik

PVC

Für die Herstellung von PVC wird giftiges Chlor benötigt. Erhitzt man nun PVC, können giftige Kunststoff Dioxine entstehen, die extrem giftig sind. Um Kabelummantelungen herzustellen, werden dem PVC Weichmacher zugesetzt, die aber wieder freigesetzt werden können.

 

Polytetrafluorethylen (PTFE), bekannter als Teflon

In der USA mussten PTFE-Hersteller hohe Entschädigungen zahlen, da sie durch den Einsatz giftiger Schadstoffe für die Herstellung von Teflon Wasser und Boden verseuchten. Der Giftstoff PFOA, der eingesetzt wurde, schädigt das Immun- und Hormonsystem, ist fruchtschädigend und kann Krebs auslösen. Bei PVC können giftige Dioxine entstehen, wenn es nicht heiß genug erhitzt wird. Bei PTFE wiederum entsteht giftige Flusssäure, wenn es zu heiß erhitzt wird.
PTFE findet man auch als Anti-Haftbeschichtung bei Pfannen und Backformen. Diese sollte man aufgrund der entstehenden Flusssäure nicht leer erhitzen

 

Polycarbonat und Epoxidharze

Polycarbonat setzen das hormonähnliche wirkende, gesundheitsschädigende Bisphenol A (BPA) frei und finden deshalb für Lebensmittel kaum noch Verwendung. Seit einigen Jahren ist BPA auch für Babyflaschen verboten. Allerdings ist es noch oft in z.B. Mikrowellengeschirr oder Getränkeflaschen zu finden.

 

Was sind Weichmacher?

Sogenannte Weichmacher werden dann eingesetzt, wenn Kunststoff biegsam und weich gemacht werden soll. Weichmacher sind in vielen alltäglichen Gegenständen wieder zu finden, wie z.B. in PVC-Böden, Plastikspielzeug, Deos, Lacken und auch Parfüm. Da die meisten Weichmacher allerdings nicht an die Kunststoffe gebunden sind, können sie nach und nach freigesetzt werden. Einmal freigesetzt, können sie über Haut und Nahrung in den Organismus aufgenommen werden.

Manche Weichmacher gelten als besonders besorgniserregend und es wurde eine Gefährdung der Fortpflanzungsfähigkeit und eine Schädigung des Hormonsystems festgestellt.

 

Tipps wie du Weichmacher meiden kannst

  1. Verwende die App des Umweltbundesamt “Scan4Chem”. Einfach nach einem Produkt suchen oder dessen Barcode scannen. Die App gibt dir dann Auskunft darüber, ob gefährliche Weichmacher enthalten sind. Sollte es noch keine Informationen geben, erhält der Hersteller eine Anfrage und muss diese innerhalb von 45 Tagen beantworten.
  2. Auf PVC-Bodenbelag verzichten.
  3. Bio-Naturfasertextilien statt Kunststofffasertextilien.
  4. Holz- statt Plastikspielzeug. Ist das Holzspielzeug unlackiert, ist es vielleicht nicht so bunt wie Kunststoffspielzeug, dafür aber langlebiger und gesünder.
  5. Auch Plastikverpackungen beim Einkaufen kannst du ganz einfach vermeiden, indem du z.B. auf dem lokalen Wochenmarkt einkaufst. Wie du sonst noch weniger Plastikmüll erzeugen kannst, kannst du hier nachlesen.
  6. Frisch kochen, statt in Plastik verpackte Fertigprodukte.
  7. Wasserkocher aus Edelstahl oder Metall.
  8. Glasbehälter oder Pflanzenwachstücher, um Lebensmittel frisch zu halten statt Frischhaltefolie.

 

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